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Am 7. Juni 1999 fuhren wir (Bernd Schröter, Bernd Wallner, Heiner
Gerdiken, Christian Fuchs und ich) auf die Farm Tivoli, Namibia. Mit dabei waren 1280kg
Gepäck, die allerdings schon vorab geschickt worden waren. Wir hatten einen 20"
Obsession, den 400mm f/8 Hypergraph auf einer K110-Montierung, einen 300mm f/3.3
Deltagraphen auf einer AD-5 und eine 225mm f/2 Schmidtkamera auf einer Takahashi NJP sowie
diverses Zubehör dabei, nebenstehendes Bild zeigt den Gepäckstapel am Flughafen
Nürnberg. Im folgenden möchte ich unsere Eindrücke und Erfahrungen in Namibia schildern. |

| Namibia zieht jedes Jahr unzählige Touristen in seinen Bann. Wer einmal selbst das phantastische Licht und die Landschaft bestaunt hat, wird Namibia sicher auch als interessantes Reiseziel kennenlernen. Unser Interesse galt aber natürlich einem ganz besonderen Reiz Namibias - dem einzigartigen Südsternhimmel. Wenn einer behauptet, die Milchstrasse in Namibia würde Schatten werfen - glauben Sie ihm. Es stimmt tatsächlich... |
Der Sternenhimmel Namibias
Als wir einen kleinen Rundflug von der Farm Tivoli nach Sossusvlei und zum Gamsberg
unternahmen verstanden wir, warum man in Namibia weltweit einen der dunkelsten Himmel
genießen kann. Nur alle 10 Flugminuten kann man in der Steppen - und Wüstenlandschaft
Namibias eine Farm entdecken. Diese Farmen sind meist nicht an ein Stromnetz angeschlossen
und schalten sämtliche Lichtquellen nachts aus. Lichtverschmutzung ist in Namibia ein
Fremdwort.
Vergleicht man die Dunkelheit des Nachthimmels mit Standorten in den Alpen (Sölden, Gornergrat), Südspanien oder den Canaren stellt man schon in der ersten Nacht fest, daß Namibia der einzige Standort ist bei dem der Himmel wirklich schwarz ist. Visuell konnten wir an ausgewählten Sternen eine Grenzhelligkeit von mag 7.2 bestimmen, deutlich mehr als in den besten uns bekannten Alpennächten (bis ca. mag 6.7). Das Zodiakallicht erscheint extrem hell (und sogar störend) und sogar die Zodiakallichtbrücke ist leicht zu erkennen.
Neben der Dunkelheit des Sternhimmels ist es auch die extreme Transparenz der Atmosphäre, die zu dem unglaublich guten Sternhimmel beiträgt. Der Tageshimmel weist bis zum Horizont ein tiefes dunkelblau auf wie man es bei uns auch im Hochgebirge nur selten findet.
Das Wetter in Namibia
Eine vom MPI erstellte Wetterstatistik für den Gamsberg (andere Standorte können
abweichen) ergibt etwa folgende Prozentzahlen für wolkenfreie Nächte: Januar - März
30%, April 50%, Mai 80%, Juni 85%, Juli 90%, August 80%, September 70%, Oktober 60%,
November 40%, Dezember 35%.
Wir waren vom 7. - 21.Juni auf Tivoli und hatten dort nur in einer Nacht einige Wolken.
Allerdings hatte sowohl die Gruppe vor uns wie auch die nachfolgende Gruppe weniger
Glück. Man kann auch in Namibia Pech haben, eine 100% Wettergarantie gibt es nirgends.
Das Seeing in Namibia
Wir haben keine wissenschaftlich quantifizierbaren Seeingmessungen gemacht, unsere
langzeitbelichteten Astroaufnahmen auf Tivoli liegen in der Auflösung zwischen 1.5"
und 3". Im Vergleich zu Deutschland ist das Seeing auf Tivoli im Durchschnitt klar
besser, aber nicht perfekt. 2 Nächte waren visuell am 20"-Dobson recht schlecht,
daß nur 100-150-fach vergrößert werden konnte. Dafür konnten wir in den 2 besten
Nächten Beugungsringe am 40cm Hypergraphen erkennen und ich habe meine bislang besten
Marsbeobachtungen machen können. Der Rest der Nächte war so, daß man mit dem
Hypergraphen bei 3.2m Brennweite gute Aufnahmen machen konnte und Vergrößerungen am
20"-Dobson bis ca. 400-fach gut möglich waren.
Für den Gamsberg existieren Messungen des MPI, die einen Mittelwert von unter einer
Bogensekunde und Spitzenwerte von 0.35" ergeben haben. Diese Werte sind besser als
auf La Silla, erreichen aber nicht die Spitzenwerte des Paranal. Dennoch ist klar,
daß der Gamsberg in Namibia der Topstandort ist, was das Seeing betrifft.
Gästefarmen
Wir hatten die Gelegenheit auf 2 Gästefarmen Eindrücke zu sammeln - Tivoli und Hakos.
Die Farm Tivoli befindet sich südöstlich von Windhoek am Rande der Kalahari-Wüste in
einer Ebene auf 1400m. Die Fahrtzeit von Windhoek nach Tivoli beträgt ca. 2 Stunden, Herr
Schreiber holt seine Gäste gerne vom Flughafen ab. Hakos liegt am Fuße des
Gamsberges auf ca. 1800m ca. 3 Stunden Fahrtzeit südwestlich von Windhoek
Beide Farmen eignen sich perfekt für die Astronomie. Der Sternhimmel ist auf beiden
Farmen pefekt, ich konnte keinen Unterschied zwischen den beiden Standorten erkennen. Ein
Seeingvergleich war mir nicht möglich, da ich kein großes Gerät auf Hakos mitnehmen
konnte. Es ist möglich bzw. anzunehmen, daß das Seeing auf Hakos etwas besser ist, da
der Standort etwas höher liegt und näher an den laminaren Strömungen des kalten Meeres,
hierfür fehlen uns aber Messungen. Mit kleineren Geräten unter 40cm wird es darauf auch
nicht ankommen. Es gibt in Namibia zahlreiche weitere Gästefarmen (Niedersachsen,
Hohenheim etc.), die sicherlich auch gute Bedingungen bieten, wo ich aber leider aus
Zeitgründen noch nicht hinfahren konnte.
| Farm Tivoli, Mr. Schreiber P.O. Box 11854 Windhoek Namibia Tel 00264 62 573 305 Eigene Homepage: http://www.ghhsnet.de/tivoli e-mail: tivoli@iway.na Die Telephonverbindungen sind nicht immer perfekt, also öfters probieren !! Preise ca. DM 90 pro Nacht, Vollpension, Gruppenrabatte möglich |
Gästefarm Hakos, Johann Walter Straube P.O. Box 5056 Windhoek Namibia Tel +264 62 572 111/3 Fax 264 62 256 300 e-mail hakos@cyberhost.com.na Preise ca. DM 80-90 pro Nacht, Vollpension, Gruppenrabatte möglich |
Farm Tivoli
| Tivoli wird von der Familie Schreiber bewirtschaftet. Auf dem riesigen Farmgelände züchten die Schreibers zusammen mit 5 Angestellten Schafe und Rinder. Das Farmgelände wird ferner von diversen Antilopenarten und Wildschweinen bevölkert. Die Gäste sind in 2 vom Haupthaus getrennten Gebäuden untergebracht, insgesamt bietet die Farm Platz für bis zu 10 Gäste. Die Zimmer sind sehr großzügig und komfortabel eingerichtet und bieten alle Bad und WC sowie eine kleine Küche. Viel Grün bestimmt das Bild der Tivoli-Farm in dem sonst eher kargen Namibia, eine kleine Orangen und Mandarinenplantage versorgte uns stets mit frischem Obst. Bei den Schreibers fühlt man sich sofort wohl. Höhepunkt des sonst eher kargen Astrolebens ist das tägliche Abendessen im Kreise der Schreibers. Hmmm. Schade, daß man keine Geruchsinformationen über das Internet übertragen kann, aber das Essen ist wirklich verdammt gut und die Portionen werden stufenlos dem Appetit der Gäste angepasst. |
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| Auf Tivoli hat man viel Platz zum Aufbau seiner Teleskope. 2 fest
betonierte Säulen sorgen für die nötige Stabilität (Anschlussmaße von Herrn Schreiber
anfordern). Ansonsten bietet der recht feste Untergrund auch anderen Stativen genügend
Halt. An einer der beiden Säulen ist eine Steckdose mit 220V montiert. Wir haben Folien
unter den Teleskopen ausgebreitet um nicht ständig im Staub arbeiten zu müssen.
Nebenstehendes Bild zeigt uns beim Aufbau der Teleskope am Ankunftstag. Tagsüber versuchten wir einige Stunden Schlaf zu bekommen, waren aber auch mit Farb- und SW-Entwicklung der Ergebnisse der letzten Nacht beschäftigt. (Chemikalien bitte NICHT in den Ausguß schütten, Herr Schreiber entsorgt diese in Windhoek). |
Specials auf Tivoli:
Im August 2000 hatte ein amerikanisches Ehepaar, Vicky und Greg Buchwald, die Möglichkeit mit dem Dobson zu beobachten. Nachfolgend einige Auszüge aus dem Brief, der mich danach erreichte und mich natürlich sehr gefreut hat:
"We would like to thank you very much for the wonderfull opportunaty of
observing with your 20" Dobsonian. We were very impressed with the exceptional mirror
and quality of the instrument. We truely appreciated the fantastic views we saw thru it.
We will not forget our first looks at 41 Tucanae. I found this object so beautiful, bright
and delicate, it almost brought tears to my eyes. The southern skies were magnificient at
Tivoli and we consider ourselves quite lucky to have seen them, especially with your
telescope.
...we know how difficult and expensive it would have been to ship our 25" or 15"
Dob to Namibia. We were extremely thrilled about the possibility of using your telescope.
Thank you for helping make our trip to Namibia and the Southern Skies a most memorable one
! We hope to return to Tivoli in 2 years and would love to have this opportunity again if
possible."
Farm Hakos
| Die Farm Hakos wird von Herrn Straube und seiner Tochter bewirtschaftet. Wir hatten eine Übernachtung eingeplant und wurden nach unserer Ankunft erstmal so reichlich mit gegrillten Gemsbock verköstigt, so daß auch hier unser Magen erstmal "wegen Überfüllung geschlossen" melden musste. Das Abendessen findet an einem großen Rundtisch in einem Raum mit Schwimmbad und großen Panoramafenstern statt, die uns einen phantastischen Blick auf die Abendbeleuchtung der Hakosberge und des Gamsberg ermöglichten. Die Fernrohre können auf einer kleinen Dachterasse und in einer Schiebedachhütte aufgebaut werden, zukünftig sind auch weitere Aufstellungsstandorte geplant. Die Unterbringung erfolgt in Zimmern mit WC und Dusche, die keine Wünsche offen lassen. Herr Straube ist selber Amateurastronom und hilft gerne, wenn es um ein vergessenen Gegengewicht, ein fehlendes Gewinde oder sogar ein fehlendes Stativ geht. |
| Am nächsten Tag war die Erklimmung des Gamsberges angesagt. Schon die
Fahrt auf der Ladefläche eines 4xPick-Up war ein Erlebnis. Die Landschaft rund um den
Gamsberg ist faszinierend. Vom Fuß des Gamsberges bis zum Gipfel benötigt man 1-1.5
Stunden. Oben angekommen konnten wir mit dem kleinen Finger die Sonne abdecken, ohne einen
Halo zu erkennen. Oben auf dem Gamsberg befinden sich einige Schutzbauten des MPI, die
hier den Bau einer großen Sternwarte geplant hatten. Hier soll eventuell ein Teleskop der Internationalen Amateursternwarte e.V. installiert werden. Uns hat es auf Hakos sehr gut gefallen und spätestens nach der Gründung der Internationalen Amateursternwarte e.V. wird sich Hakos zu einem DER Beobachtungsstandorte entwickeln. |